… ist die Wirkung von allem, das wirken tut.
Stilistisch wäre an dieser Stelle das Wort wirkt sicher deutlich besser gewesen. Aber das Statement der Woche ist nun einmal wirken Wirkung WIRKLICHKEIT. Obwohl das Statement als Frage formuliert auch nicht schlecht gewesen wäre: wirkt Wirkung WIRKLICHKEIT?
Das nicht ganz triviale Konzept, das mit dem Begriff der Wirklichkeit bezeichnet wird, leitet sich aus dem Verb wirken ab. Ist das nicht ein wundervolles Beispiel für die Schönheit der deutschen Sprache?
Im Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (https://www.dwds.de/wb/etymwb/wirken) findet sich dazu folgendes: „wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. –wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’.“
Die Bedeutung des Begriffs Wirklichkeit erklärt sich also aus der Sprache selbst. Wirklichkeit ist das, was wirkt. Was keine Wirkung entfaltet, ist nicht wirklich. Im Gegensatz dazu steht die Möglichkeit, also das, was denkbar ist (Statement der Vorwoche 😉), aber eben nicht wirklich, das heißt: ohne Wirkung!
Doch gehört nicht auch das Denkbare zur Wirklichkeit? Ist das Denkbare nicht, sobald es gedacht wurde, als Gedanke Teil der Wirklichkeit? Wirkt nicht auch ein Gedanke – sei es als innere Wirkung im Denkenden, sei es als äußere Wirkung des aufgeschriebenen oder ausgesprochenen Gedankens? So gesehen wäre Wirklichkeit überhaupt alles das, was irgendwie auf uns einwirkt. Ein Produkt unserer Wahrnehmung, ob nun durch äußere Wirkungen oder durch unsere Einbildungskraft bewirkt. Ist Wirklichkeit also letztlich nur ein Bewusstseinsphänomen?
Ooops! Schon befinden wir uns mitten in einer philosophischen Diskussion, die man vermutlich noch lange weiterführen kann…
Denkt gerne mit:
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