Der Begriff Weltanschauung wirkt zunächst harmlos. Fast ein bisschen altmodisch. Und doch steckt in ihm eine eigentümliche Spannung, die sich nicht sofort auflöst.
Er setzt sich aus Welt und Anschauung zusammen – zwei Begriffe, die jeweils für sich schon schwer genug sind. Anschauung führt zu Kant. In seiner Kritik der reinen Vernunft ist sie kein beiläufiges Schauen, sondern die Bedingung dafür, dass überhaupt etwas erkannt werden kann. Anschauungen sind bei ihm die Formen, in denen uns die sinnlich empfangenen Eindrücke erscheinen.
Nach Kant gibt es zwei Anschauungsformen, nämlich Raum und Zeit. Unser Erkenntnisapparat ordnet mit ihnen die zunächst rohen, ungeordneten sinnlichen Eindrücke und formt so das Material, das der Verstand dann mittels seiner Begriffe und Kategorien weiter ordnet und strukturiert. Erst durch dieses Zusammenspiel von Anschauung und Verstand werden wir überhaupt in die Lage versetzt, Gegenstände und die Beziehungen zwischen ihnen zu erkennen – und damit die Welt.
Doch wenn alles, was ich erkenne, auf diese Weise gegeben ist – sehe ich dann wirklich die Welt? Oder nur das, was mir durch meine Anschauung und meinen Verstand erscheint?
In der Existenzphilosophie wird dieser Gedanke noch einmal verschärft. Welt ist nun nicht mehr bloß die Totalität aller Gegenstände und ihrer Beziehungen, sondern die Raumzeit, in die ich immer schon hineingestellt bin. Ich stehe der Welt nicht mehr nur als erkennendes Subjekt gegenüber. Ich bin existenziell in sie verstrickt. In der Weise, wie mir Welt erscheint, vollzieht sich mein Dasein.
Weltanschauung ist dann keine Theorie mehr über die Welt. Kein System, das erklärt, wie sie beschaffen ist und wie sie funktioniert. Eher im Gegenteil: Der Begriff macht sichtbar, dass ich nie außerhalb meiner Perspektive stehe. Weltanschauung ist demnach die je-meinige Sicht auf die Welt.
Vielleicht meint Weltanschauung genau das: Dass Welt nie ohne den Blick existiert, der sie schaut.
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