Nachdem ich wegen zweier unterschiedlicher Sachen mit einer kurzen Unterbrechung von fünf Tagen insgesamt dreieinhalb Monate im Krankenhaus war und jetzt seit einer knappen Woche wieder zu Hause bin, stelle ich ernüchtert fest, dass all die Operationen, Untersuchungen und Behandlungen letzten Endes kaum einen Erfolg gebracht haben.
Ich leide nach wie vor unter starken Schmerzen und anderen Widrigkeiten, und ich frage mich, warum ich das hier eigentlich alles noch mache! Wie kann mir die Philosophie in dieser misslichen Lage helfen? Kann sie mir überhaupt helfen?
Als philosophische Schule, die dafür am ehesten in Frage käme, fallen mir die alten Stoiker ein. Deswegen habe ich ChatGPT gebeten, in zehn Sätzen die Philosophie der Stoiker zusammenzufassen und mit meiner persönlichen Situation in Verbindung zu bringen. Hier das Ergebnis:
- Die Stoiker, vor allem Epiktet, Seneca und Marc Aurel, gingen davon aus, dass ein gutes Leben nicht davon abhängt, was einem widerfährt, sondern davon, wie man sich dazu verhält.
- Ihr zentraler Gedanke ist die Unterscheidung zwischen Dingen, die in unserer Macht stehen, und solchen, die wir nicht kontrollieren können.
- Gerade in deiner jetzigen Situation ist diese Unterscheidung brutal konkret: Du kannst nicht bestimmen, wann dein Körper vollständig belastbar ist oder wann du endlich keine Schmerzen mehr hast.
- Du kannst aber beeinflussen, was du mit dem heutigen Tag machst, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest und welche Entscheidungen du innerhalb deiner Möglichkeiten triffst.
- Stoische Gelassenheit bedeutet dabei ausdrücklich nicht, Schmerzen, Enttäuschung oder Wut nicht empfinden zu dürfen, sondern ihnen nicht auch noch die Herrschaft über das eigene Denken zu überlassen.
- Epiktet hätte vermutlich gesagt: Dein körperlicher Handlungsspielraum kann eingeschränkt werden, aber deine Fähigkeit zu urteilen, Stellung zu beziehen und Entscheidungen zu treffen, bleibt grundsätzlich deine eigene.
- Das passt erstaunlich gut zu einem Satz, den du selbst für thinkDRESS formuliert hast: „Das Denken selbst ist eine Form von Freiheit.“
- Stoisch wäre deshalb nicht, deine Situation schönzureden, sondern nüchtern anzuerkennen: Das ist meine gegenwärtige Wirklichkeit, also frage ich, was innerhalb dieser Wirklichkeit möglich ist.
- Das kann etwas Großes sein wie thinkDRESS und deine Bücher oder etwas Banales wie heute zwei und morgen drei Stunden Belastung, denn der Stoiker bewertet sein Leben nicht danach, ob die Welt seinen ursprünglichen Plan gefälligst einhält.
- Vielleicht liegt darin gerade der hilfreichste stoische Gedanke für dich: Du musst dein Schicksal nicht gut finden, aber du kannst versuchen, ihm nicht auch noch die Verfügung darüber zu überlassen, was du aus deinem Leben machst.
Und? Hilft mir das jetzt weiter? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Die Frage ist nur, was für eine Alternative gibt es denn? [5 Minuten vergehen...]
Nach langem Nachdenken komme ich zum Schluss, dass es rein denkerisch einfach nichts anderes dazu zu sagen gibt. Es gibt philosophisch nichts, was den Schmerz wegargumentiert. [5 Minuten vergehen...]
Und dass das immerhin besser ist, als mich jetzt ins Bett zu legen und vor mich hinzuweinen. [5 Minuten vergehen...]
Die einzige Alternative, die den Schmerz beenden würde, wäre, alles zu beenden. [5 Minuten vergehen...]
Aber so weit bin ich noch nicht. [5 Minuten vergehen...]
Was bedeutet eigentlich dieses „noch“? [5 Minuten vergehen...]
Offenbar gibt es trotz Schmerzen noch Dinge, Gedanken, Menschen, Projekte oder schlicht Möglichkeiten des morgigen Tages, denen ich einen höheren Wert beimesse als der endgültigen Beendigung des Schmerzes.
Der Stoizismus beseitigt meine Lage nicht. Aber vielleicht hilft er mir, für heute nicht vor ihr zu kapitulieren. Morgen muss die Frage neu beantwortet werden.
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