Die folgenden sechs Bilder veranschaulichen Schritt für Schritt das Falsifikationsprinzip als grundlegende Methode der Naturwissenschaft.

Bild 1
Am Anfang jeder Naturwissenschaft steht die Beobachtung. Hier sehen wir lediglich einige Punkte. Mehr wissen wir zunächst nicht.
Bild 2
Nun versuchen wir, diese Beobachtungen zu erklären. Eine Möglichkeit wäre ein Kreis. Der Kreis ist jedoch keine Wahrheit, sondern lediglich ein Modell, das die bisher gemachten Beobachtungen gut beschreibt.
Bild 3
Nun kommt eine neue Beobachtung hinzu. Man entdeckt die drei grauen Punkte. Sie passen nicht mehr zum Kreismodell. Genau hier setzt eine der wichtigsten Ideen des Philosophen Karl Popper an:
Ein wissenschaftliches Modell wird nicht dadurch ausgezeichnet, dass man es für wahr hält. Entscheidend ist vielmehr, ob neue Beobachtungen ihm widersprechen. Tun sie das, gilt das Modell als falsifiziert. Es muss aufgegeben oder verbessert werden.
Bild 4
Nun beginnt die Suche nach einem besseren Modell. Vielleicht beschreibt eine gezackte Form die bisherigen Beobachtungen besser als der Kreis. Dieses neue Modell erklärt zunächst alle schwarzen Punkte.
Bild 5
Außerdem integriert es auch die drei grauen Punkte. Das Zackenmodell beschreibt damit mehr Beobachtungen als das Kreismodell. Es scheint deshalb das bessere Modell zu sein. Der Kreis war also nicht einfach "falsch". Er war lediglich ein Modell mit einem begrenzten Gültigkeitsbereich.
Bild 6
Ein wissenschaftliches Modell muss jedoch noch mehr leisten. Es muss Vorhersagen ermöglichen. Im Bild sind die drei weißen Punkte solche Vorhersagen. Findet man sie später tatsächlich in der Natur wieder, spricht das für das Modell.
Wichtig ist aber:
Dadurch wird das Modell nicht bewiesen. Es wurde lediglich noch nicht falsifiziert. Je häufiger ein Modell solche Prüfungen besteht, desto größer wird aber unser Vertrauen in seine Gültigkeit.
Doch selbst dann bleibt es ein Modell! Denn vielleicht machen wir morgen neue Beobachtungen. Im Bild werden sie durch die weiß-schwarzen Punkte dargestellt. Sie liegen außerhalb des Zackenmodells. Damit wäre nun auch dieses Modell falsifiziert.
Die Suche beginnt von Neuem.
Fazit
In diesem Falsifikations-Prinzip liegt die große Stärke der Naturwissenschaft. Sie sucht nicht nach endgültigen Wahrheiten. Sie entwickelt immer bessere Modelle, verwirft sie, wenn sie nicht mehr ausreichen, und ersetzt sie durch noch bessere. Deshalb wächst wissenschaftliches Wissen ständig. Nicht weil Wissenschaft die Wahrheit besitzt. Sondern weil sie bereit ist, ihre eigenen Modelle immer wieder infrage zu stellen!
Ein bekanntes Beispiel ist die Newtonsche Mechanik
Die Newtonsche Mechanik beschreibt Bewegungen im Alltag bis heute hervorragend. Erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten oder auf der Ebene der Elementarteilchen reicht sie nicht mehr aus. Deshalb wurde sie nicht als "falsch" verworfen, sondern durch Relativitätstheorie und Quantenphysik ergänzt. Ihr Gültigkeitsbereich blieb erhalten, das wissenschaftliche Modell wurde jedoch erweitert.
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